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Heuschnupfen bedarfsgerecht behandeln

Mit dem Frühling kommt für viele Menschen auch der Heuschnupfen. Die Symptome sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um eine individuell optimale Behandlung zu erreichen.

Bild: Shutterstock
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Alle Jahre wieder

Heuschnupfen (Rhinitis allergica) basiert auf einer allergischen Reaktion gegen Pollen. Aber auch andere Allergene wie Schimmel oder Hausstaubmilben können eine ähnliche Reaktion hervorrufen. Die Beschwerden reichen von brennenden Augen und Niesattacken bis hin zu Kratzen im Hals oder Ausschlägen.

 

Treten die Beschwerden zum ersten Mal auf, empfiehlt sich eine fachgerechte Abklärung. Verwechslungen mit einem Schnupfen oder einer bakteriellen Bindehautentzündung können nämlich dafür sorgen, dass eine falsche Behandlung ausgewählt ist. Da die Pollenbelastung von Jahr zu Jahr schwankt, kann sich auch der Heuschnupfen von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausprägen. 

 

Ziel der Leitlinien: Beschwerden minimieren

Die medizinischen Richtlinien zur Behandlung von Heuschnupfen fokussieren auf das Stillen der Beschwerden. Hierfür steht ein breites Spektrum an Medikamenten zur Auswahl. Die Wirkung dieser Mittel ist wissenschaftlich bestens belegt und daher äusserst zuverlässig.  

 

Vorzugsweise werden lokal wirksame Mittel für die Augen oder die Nase verwendet. Bei stärkeren Beschwerden oder wenn auch die Haut betroffen ist, können sogenannte Antihistaminika in Tablettenform verwendet werden. Am besten lassen sich Patienten individuell beraten, um das richtige Mittel oder eine gute Kombination herauszufinden. 

Beispiel eines Pollenkalenders, der nützlich bei der Therapie sein kann. Die Prognosen müssen jedes Jahr neu gemacht werden. Bildquelle: Wikipedia
Beispiel eines Pollenkalenders, der nützlich bei der Therapie sein kann. Die Prognosen müssen jedes Jahr neu gemacht werden. Bildquelle: Wikipedia

Desensibilisierung

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung ist die Desensbilisierung. Dazu werden dem Patienten immer wieder minimste Dosen des Allergieverursachers verabreicht. Mit der Zeit reagiert das Immunsystem immer weniger, bis die Beschwerden verschwinden.

 

Eine Desensiblisierung ist sehr wirksam, dauert jedoch mehrere Jahre. Die Therapie scheitert oft daran, das Patienen die Behandlung nicht regelmässig fortführen. 

Natürliche Alternativen

Es gibt einige pflanzliche Mittel, welche ebenfalls gegen Heuschnupfen eingesetzt werden können. Pestwurz-Präparate sind gut belegt, müssen aber mehrmals täglich eingenommen werden. Augen-tropfen auf Basis von Augentrost (Euphrasia) wirken gegen Brennen und Jucken, aber nicht gegen die allergische Reaktion selbst.

 

Ausserdem gibt es einige Augentropfen oder Nasensprays, die eine Barriere aufbauen und damit den Kontakt der Pollen zur Schleimhaut reduzieren. Sie können zu einem gewissen Grad wirksam sein.

 

Ein Hausmittel, von dem es einige positive Erfahrungsberichte gibt, ist Schwarzkümmelöl. Dieses kann pur oder in Kapselform eingenommen werden.

Pollen unter dem Elektronenmikroskop. Zu grosse Pollen wie diejenigen der Rose lösen übrigens keine Allergie aus. Bildquelle: Dartmouth College Electron Microscope Facility
Pollen unter dem Elektronenmikroskop. Zu grosse Pollen wie diejenigen der Rose lösen übrigens keine Allergie aus. Bildquelle: Dartmouth College Electron Microscope Facility

Pollenbelastung senken

Man kann mit einigen Tipps auch die Pollenbelastung zu Hause senken, dies ist allerdings mit einigem Aufwand verbunden:

  • Strassenkleidung zu Hause gegen Hausbekleidung wechseln (nicht im Schlafzimmer umziehen!)
  • Abends duschen und Haare waschen
  • Nur kurz lüften (Auf dem Land spät abends, in der Grossstadt frühmorgens)
  • Aktivität im Freien auf die gleichen Zeiten legen wie das Lüften
  • Gewaschene Kleidung nicht im Freien trocknen lassen
  • Schwere Regenfälle und starker Wind können die Pollen aus Bäumen und Blüten freisetzen und aufwirbeln, in dieser Zeit besser nicht ins Freie gehen

Vorsicht Atopie

Es gibt Menschen, die nicht nur Heuschnupfen haben, sondern zusätzlich auch an Asthma und Neurodermitis (entzündliche Hauterkrankung, auch bezeichnet als atopische Dermatitis) erkranken. Wenn solche Erkrankungen dazukommen, spricht man auch von "Etagenwechsel".  

 

Die Neigung zu diesem Dreiergespann nennt man Atopie (von griechisch "Unbegrenzt", nicht auf einen Ort beschränkt). Es wird vermutet, dass eine generelle Störung des Immunsystems dafür sorgt, dass diese Probleme entstehen. 

 

Der Verlauf ist in der Regel chronisch und geht mit der Anwendung verschiedener Medikamente einher, die regelmässig und je nach Stärke der Beschwerden unterschiedlich anzuwenden sind. Bei guter Einhaltung der Therapie ist weiterhin eine hohe Lebensqualität möglich.

Behandlung vom Darm her?

Heuschnupfen ist eine Allerigeerkrankung und somit eine Fehlfunktion des Immunsystems. Viele Einzelheiten sind heute noch unklar. Da die Zahl der Betroffenen zunimmt, wird als Ursache  übertriebene Hygiene diskutiert. Zudem soll unpasteurisierte Milch einen schützenden Effekt gegen Allergien haben. Erwiesen ist, dass Stillen im Säuglingsalter das Risiko senkt.

 

Es gibt neu auch die These, dass die Darmflora einen Einfluss auf die Funktion des Immunsystems hat. Denn im Dickdarm sitzen sehr viele Immunzellen, welche ständig ihre "Fühler" ins Darminnere strecken. Je nach dem, was für Stoffe von den Bakterien im Darm produziert werden, hat dies auch einen Einfluss auf Immunsystem. Studien dazu verlaufen mit unterschiedlichen Resultaten, es gibt daher noch keine systematisch empfohlenen Therapien dafür. Sogenannte Probiotika mit gutartigen Darmbakterien können jedoch in Eigeninitiative versucht werden.  

 

Der Ansatz ist insofern glaubwürdig, als dass die Darmflora durch die Ernährung beeinflusst und damit eng mit dem Lebensstil verbunden ist. Antibiotika und andere Stoffe können zudem das Gleichgewicht der Darmflora stören. Der Einsatz von Probiotika funktioniert aber nur bei gleichzeitiger Umstellung der Ernährung, da die zugeführten Bakterien sonst nicht lange überleben. 

Fazit

Heuschnupfen ist sehr unangenehm, kann im Normalfall aber gut mit Medikamenten behandelt werden. Es lohnt sich, bei der Wahl der passenden Mittel in der Apotheke beraten zu lassen. Auch unter den natürlichen Heilmitteln befinden sich einige, die sehr gut wirken. 

 

Bei schlechter Symptomkontrolle oder bei zusätzlichen Atemproblemen kann zusätzlich der Arzt aufgesucht und auf Allergene getestet werden. Hier ist auch der Ort, um eine mögliche Desensiblisierung anzusprechen.

 

Es gibt einige Mittel und Verhaltensmassnahmen, die auf eigene Faust versucht werden können. Die Wirkung ist zwar nicht garantiert, kann aber je nach Leidensdruck eine spürbare Erleichterung bringen. 

Autor:

Florian Sarkar, eidg. dipl. Apotheker

 

Quellen: 

Church D. et al.:  Allergic rhinitis: impact, diagnosis, treatment and management. Clinical Pharmacist 9 AUG 2016

 

Calderon M. et al: Cochrane review: Allergen injection immunotherapy for seasonal allergic rhinitis. Evidence-based Child Health, Volume5, Issue3 September 2010 Pages 1279-1379

 

van Odijk J et al.:Breastfeeding and allergic disease: a multidisciplinary review of the literature (1966–2001) on the mode of early feeding in infancy and its impact on later atopic manifestations. Allergy  Volume58, Issue9 September 2003 Pages 833-843

 

Gdalevich M et al.:Breast-feeding and the onset of atopic dermatitis in childhood: A systematic review and meta-analysis of prospective studies. JAAD October 2001Volume 45, Issue 4, Pages 520–527.

 

Van Der Aa L et al.: Probiotics and prebiotics in atopic dermatitis: review of the theoretical background and clinical evidence. PAI 26 March 2010

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