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Was ist dran an Echinaforce und Covid-19?

Eine Studie des Labors Spiez, welche im Virology Journal veröffentlicht wurde, kommt zum Schluss, dass Extrakte von rotem Sonnenhut (Echinacea purpurea) neben anderen auch Coronaviren vom Typ SARS-Cov abtöten. In den Medien wird diese Studie sehr reisserisch thematisiert und kommentiert. Wir möchten daher sachlicher auf diese Studie eingehen.

Blüten des roten Sonnenhuts (Echinacea purpurea). Bild: Adobe Stock
Blüten des roten Sonnenhuts (Echinacea purpurea). Bild: Adobe Stock

Altbekanntes Mittel

Der rote Sonnenhut (Echinacea purpurea) stammt aus Nordamerika. In der dortigen Volksmedizin wurde er von den Ureinwohnern gegen Erkältungskrankheiten eingesetzt. Ab dem 20. Jahrhundert kamen Echinacea-Produkte auch in Europa auf. Medizinisch ebenfalls verwendet werden die Arten Echinacea angustifolia und Echinacea pallida.

 

Echinacea wird vor allem vorbeugend gegen Atemwegsinfektionen empfohlen. Echinacea enthält dutzende bis hunderte verschiedene Stoffe, die für eine medizinische Wirkung in Frage kämen. Einerseits verstärkt Echinacea die Immunantwort über die vermehrte Ausschüttung von Botenstoffen wie Interleukinen. Anderserseits haben einige Inhaltsstoffe selbst eine direkte abtötende Wirkung auf Bakterien, Viren und Pilze. Die meisten dieser Wirkungen wurden in Reagenzglas- oder Tierversuchen festgestellt.

Kontroversen und Kritik

Trotz seiner recht grossen Beliebtheit als Naturheilmitten ist Echinacea wissenschaftlich durchaus umstritten. So fällt die Wirksamkeit sehr unterschiedlich aus, wenn man Tests an Menschen betrachtet.

 

Hierbei hat Echinacea, wie jedes andere pflanzliche Heilmittel, Schwierigkeiten bei der Vergleichbarkeit dieser Studien. So werden je nach Präparat die Wurzeln, das Kraut oder die Blüten zur Herstellung verwendet, was grosse Auswirkungen auf die Inhaltsstoffe hat. Auch die Dosierungen gehen weit auseinander. Zudem werden Studien meist nur mit wenigen dutzend oder hundert Teilnehmern durchgeführt, sodass die statistische Aussagekraft nur begrenzt ist.

 

Die Cochrane Database, ein Institut, welches sich sehr strikt mit Studien zu Medikamenten und medizinischen Behandlungen befasst, kam 2014 immerhin zum Schluss, dass es durchaus positive Effekte gebe, die Beweislage jedoch dürftig sei. Daher gibt es auch Fachpersonen, welche Echinacea grundsätzlich für nutzlos halten. Eine solch extreme Einschätzung ist aufgrund der vorhandenen Daten jedoch ebenfalls nicht zu rechtfertigen.

Die Spiezer Studie

In dieser neuen Studie wurde das Präparat Echinaforce von Vogel untersucht. Hierbei handelt es sich um Tropfen, die aus den hauptsächlich aus dem Kraut sowie den Wurzeln der Frischpflanze Echinacea purpurea hergestellt werden und einen Alkoholgehalt von ca. 65% aufweisen.

 

Für die Studie wurden verschiedene Verdünnungen von Echinaforce mit Virenlösungen gemischt und auch menschliche Gewebsproben behandelt, die dann mit Viren in Kontakt gebracht wurden. Verwendet wurden unter anderem die Coronaviren HCoV-229E (verursacht Erkältungen), SARS-Cov1 (das SARS-Virus von 2003) und MERS-CoV (MERS-Virus von ca. 2016). Letztere beiden haben eine sehr hohe Ähnlichkeit zum aktuellen Pandemie-Virus SARS-CoV2.

 

Echinaforce wurde in Verdünnungen von 1 - 100 Mikroliter/ml zu den Proben dazugegeben. Im Direktkontakt mit Echinacea zeigte sich, dass bei einer Konzentration von 50 Mikroliter pro Milliliter die Viren in kurzer Zeit praktisch nicht mehr vermehrungsfähig sind und somit als abgetötet angesehen werden können. Beim MERS-Virus trat dieser Effekt sogar schon bei einer Konzentration von 10 Mikrogramm pro Milliliter auf.

 

Wenn Gewebsproben mit Viren infiziert wurden, so trat keine feststellbare Virusvermehrung statt, wenn sie fortlaufend mit Echinacea in einer Konzentration von 50 Mikrogramm pro Milliliter behandelt wurden. Dieser Versuch wurde aber nur mit dem "gewöhnlichen" Coronavirus HCoV-229E durchgeführt.

 

Ebenfalls getestet wurde mit dem Mäuse-Parvovirus(MVM), dem Gelbfiebervirus und dem Vaccinia-Virus. Während auch beim Gelbfieber eine hemmende Wirkung festgestellt wurde, war Echinacea gegen MVM und das Vaccinia-Virus nicht wirksam.

 

Die Studie wurde im Virology Journal veröffentlicht. Die Untersuchungen zeigen somit eine starke Wirkung von Echinacea-Extrakt gegen Coronaviren und erregten daher das hohe mediale Aufsehen.

Übertragbarkeit und Kritik

Das Problem ist nun die Übertragung einer Laborstudie auf die Anwendung beim Menschen. Üblich sind Dosierungen von 1000-2000mg Echinacea-Tropfen pro Tag. Dies wäre viel zu wenig, um an die getestet Konzentration von 50 Mikrogramm pro Milliliter heranzukommen. Allerdings ist eine hemmende Wirkung auch schon bei tieferen Konzentrationen möglich. Ausserdem ist zu berücksichtigen, wie der Extrakt vom Körper aufgenommen und verteilt wird und an welchen Stellen des Körpers die höchsten Virusmengen auftreten.

 

Es wurde bei der jetzigen Studie die Kritik geäussert, dass nicht klar sein, ob die Wirkung von der Pflanze oder vom Alkohol komme. Bei den vorliegenden Untersuchungen lag die Alkoholkonzentration jedoch nur zwischen 0 und 6.5%, somit ist eine Wirkung durch den Alkohol eher unwahrscheinlich.

 

Ebenfalls kritisiert wird, dass einige der Studienautoren von A. Vogel bezahlt oder angestellt sind. Dies kann potentielle Interessenkonflikte beinhalten. Zum Beispiel ist nicht klar, ob alle Versuchsreihen veröffentlicht wurden oder ob einige bewusst nicht erwähnt werden. Ausserdem postuliert die Studie eine Wirkung gegen SARS-CoV2, obwohl in der Studie selbst keine Versuche mit genau diesem Virustyp erwähnt sind.

Fazit

Die vorliegende Studie zeigt eine überraschende Wirkung von Echinacea purpurea gegen Coronaviren, auch solche, die dem jetzigen Covid-19 sehr ähnlich sind. Zudem zeigten schon andere Laborstudien zuvor, dass Echinacea purpurea gegen Coronaviren wirkt. In Laborstudien wird aber häufig mit Wirkstoffmengen gearbeitet, die nicht unbedingt den üblichen Dosierungen beim Menschen entsprechen.

 

Vor dem Hintergrund der aktuellen Bemühungen, wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen Covid-19 zu finden, ist es ein Stück weit überraschend, dass ein recht verbreitetes Naturheilmittel ein potentielles Mittel sein könnte. Um dies definitiv zu sagen, müssten aber weitere Studien mit Patienten durchgeführt werden. Zudem ist die Wirkung von Echinacea purpurea nicht exklusiv an das Markenprodukt von Vogel gebunden. Ähnlich hergestellte Präparate können durchaus vergleichbar wirken.

 

Aus persönlicher Einschätzung in der Apotheke empfehlen wir Echinacea schon länger zur Vorbeugung oder Frühtherapie von Erkältungskrankheiten und halten es auch aktuell für eine von mehreren Möglichkeiten, um sich vor einer Infektion mit dem neuen Coronavirus zu schützen. Wie überall gilt aber: Es gibt keine Wundermittel. Die Erwartungen an den Sonnenhut dürfen nicht zu hoch geschraubt werden. Er ist eher ein Baustein, zusammen mit den Schutz- und Hygienemassnahmen sowie zahlreichen Möglichkeiten, das Immunsystem zu stärken, um die Pandemie möglichst schadlos zu überstehen.

Autor:

Florian Sarkar, Fachapotheker in Offizinpharmazie

 

Quelle:

Signer J et al: In vitro virucidal activity of Echinaforce®, an Echinacea purpurea preparation, against coronaviruses, including common cold coronavirus 229E and SARS-CoV-2. Virology Journal 17, 136, 2020.

 

Karsch-Völk et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 2. Art No. CD000539.

 

S. Pleschka et al. Virology Journal 6, 197, 2009.

 

Sharma M. et al. Antiviral Research 83, 165-70, 2009.

 

Wolfgang Blaschek: Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 6. Auflage 2016, S. 222-233.