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Was bringen Masken?

Kaum etwas symbolisiert die Lage während der Corona-Pandemie wie Menschen mit Schutzmasken. Sie werden gleichzeitig oft als das ultimative Mittel gegen die Virenverbreitung gesehen. Jedoch kursieren beim Thema Masken sehr viele Missverständnisse. Dieser Artikel soll einige Klärungen bringen.

Bildquelle: Adobe Stock
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Was bringen Masken?

Chirurgische Hygienemasken dienen in erster Linie dazu, die Ausscheidung von Tröpfchen durch den Träger zu reduzieren. Ausserdem werden die Aerosole der Atemluft, also Dampftröpfchen kleiner als ein Mikrometer, eher zur Seite und nach oben ausgeatmet. Normalerweise atmet man diese mit einem Radius von ca. 40cm aus. In Asien tragen Menschen vor allem Schutzmasken, wenn sie erkältet sind, um andere Personen nicht anzustecken. Der Schutz vor Ansteckung von aussen ist im Vergleich dazu geringer. Sie schützen kaum vor Aerosolen, die von anderen Menschen ausgeatmet werden. 

 

Die wichtigsten Übertragungswege des Coronavirus sind der direkte Kontakt mit Menschen und mit Viren, die auf Oberflächen sitzen (z.B. Knöpfe, Haltestangen im ÖV). Aus diesem Grund sind Masken kein Ersatz für die grundsätzliche Meidung von Kontakten mit anderen Menschen. Sie sind nur eine Ergänzung für Situationen, in denen sich nahe Kontakte mit anderen Menschen nicht vermeiden lassen. Ebenso muss die gründliche Händereinigung fortwährend gewährleistet sein. Zudem muss man trotzdem unbedingt in die Ellenbeuge husten oder Niesen. Denn die Tröpfchen können trotzdem über die Lücken, die beim Maskentragen bestehen, hinausgeschleudert werden.

 

Bei Menschen, die einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind, zum Beispiel Gesundheitsfachpersonen oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, macht das Maskentragen als Schutz daher Sinn. Ebenso können Menschen, die an Erkältungssymptomen leiden, die Virenausscheidung reduzieren. Im Fall von Corona sollte man jedoch grundsätzlich zu Hause bleiben, wenn man an Erkältungssymptmen leidet.  Bei Gesunden hingegen ist der Nutzen geringer, da im Alltag eine Infektion durch Berührungskontakt (Personen oder virenhaltige Oberflächen) eine viel grössere Rolle spielt.

Wie benutzt man Masken richtig?

Die Hände müssen vor dem Anlegen der Masken sauber sein. Bei chirurgischen Hygienemasken liegt die "farbige" Seite aussen. Der Drahtbügel muss so angepasst werden, damit die Maske nicht von der Nase rutscht. Es müssen Mund und Nase vollständig bedeckt sein, sonst ist die Maske nutzlos. Die Maske darf danach nicht mehr angefasst werden, nur mit desinfizierten Händen. Sonst wird die Schutzwirkung reduziert. 

 

Nach Richtlinie der Experten von Swissnoso können Masken acht Stunden getragen werden. Wenn eine Maske für eine Pause abgelegt werden muss, sind wiederum erst die Hände zu desinfizieren und die Maske an einem Ort aufzuhängen, wo sie auslüften kann und wo sie keine anderen Oberflächen berührt. Alternativ kann sie mit einem "Gummeli" am Ohr hängen gelassen werden. Die Masken soll nicht lässig über das Kinn gezogen werden, so atmet man fortwährend drauf. Entsprechend sind nun Tröpfchen auf der Aussenseite, die für andere Personen potentiell infektiös sein könnten. 

Welche Maskentypen gibt es?

Neben den chirurgischen Hygienemasken (meist mit Klassifikation II oder IIR angegeben) gibt es auch solche mit FFP-2 und -3 sowie N95-Klassifizierung. Sie haben die höchsten Filtereigenschaften und kommen unter anderem als Staubschutz zum Einsatz. So besteht auch ein Schutz gegen Aerosole - aber nur, wenn die Maske auch zu 100% dicht am Gesicht anliegt. 

 

Masken der Kategorien FFP und N95 kommen in der Medizin nur in spezifischen Situationen zum Einsatz, ausserhalb des Gesundheitsbereichs sind chrirurgische Hygenemasken ausreichend. Ein Versuch mit Spitalpersonal zeigte, dass FFP-Masken nicht besser schützten als die normalen Hygienemasken. Dies verdeutlicht, dass schon kleine Fehler bei der Handhabung der Maske die Schutzwirkung stark reduzieren.

Entsprechend hat das Tragen von FFP2-Masken für die allgemeine Bevölkerung kaum einen Mehrwert. Höchstens in Einzelfällen bei stark gefährdeten Patienten kann dies allenfalls Sinn machen.

Können Hygienemasken wiederverwendet werden?

Theoretisch sind Hygienemasken nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt. Es gibt keine felsenfesten Daten zum Thema Wiederverwenung. Trotzdem hat das deutsche Bundesamt für Arnzeimittel und Medizinprodukte (BfArM) folgende vorläufige (!) Empfehlung zur Wiederverwendung von Masken geäussert: Die Masken können während 90 Minuten bei 90°C trockener Hitze (Backofen oder Sauna) desinfiziert werden. Dieser Vorgang wird jedoch nur für maximal 3 mal als sicher eingeschätzt, danach muss die Maske entsorgt werden. Hierfür sollen Masken in einem Plastiksack in einem Abfallbehälter mit Deckel entsorgt werden, nicht lose in einem offenen Kübel entsorgen.

Welche Preise sind realistisch?

Vor der Pandemie waren Masken ziemlich günstig. Eine 50-er Packung mit Masken des Typs IIR kosteten ca. 15-20 Franken, also etwa 35 Rappen pro Maske. Danach stiegen die Preise rapide, teils auf über 1.50 pro Maske. Derzeit ist ein Preis von 80 Rappen bis Fr. 1.20 realistisch. Im Schnitt sollte man daher mit einem Franken pro Maske rechnen. Masken sind nicht so essentiell, dass jeder Preis dafür bezahlt werden sollte. Es wird momentan sehr viel Spekulation getrieben, daher sollte man auf allzu hochpreisige Angebote nicht eingehen.

Zudem ist zu beachten, dass die meisten Masken chinesische Importware sind. Es ist sehr schwierig geworden, die entsprechenden Sicherheitszertifikate zu überprüfen. Der Bund hat sogar explizit erlassen, dass Importe momentan auch ohne vollständige Überprüfung der Qualität möglich sind. Bei sehr günstigen Preisen oder Vermerken wie "Nicht für den Einsatz im Gesundheitswesen gedacht" sollte man daher sehr äusserst zurückhaltend sein.

Was bringen selbstgenähte Stoffmasken?

Es gibt im Internet diverse Anleitungen für selbstgenähte Stoffmasken. 2017 wurde die Schutzwirkung von Masken aus zweilagiger Baumwolle mit normalen Einwegmasken für Spitalpersonal verglichen. Im Endergebnis war das Infektionsrisiko mit einer Stoffmaske sechs mal höher als mit Hygienemaske. Es gibt daher diverse Punkte bei Stoffmasken zu beachten:

  • Normale Baumwollstoffe schützen nicht genug. Molton-Stoff könnte wegen seiner höhere Dichtigkeit eine bessere Schutzwirkung haben und sollte daher für die Aussenschicht verwendet werden.
  • Stoffmasken müssen täglich bei 60°C gewaschen werden, andernfalls werden sie zu Brutstätten für Keime.
  • Ein Anästhesiearzt aus Taiwan hat ein Modell vorgeschlagen, bei dem in eine zweilagige Maske ein Vliesmaterial als Filter eingelegt wird. Dieses entspricht in etwa dem Material in Hygienemasken. Man kann zum Beispiel Papiertaschentücher nass machen und trocknen lassen, damit sich die Fasern verdichten. Dieses Material muss aber ebenfalls täglich gewechselt werden. Leider gibt es keine Vergleiche eines solchen Typs mit chirurgischen Hygienemasken. 

Selbstgenähte Masken können eine Alternative sein, wenn es keine Einwegmasken mehr gibt. Es müssen jedoch diverse Punkte beherzigt werden, damit sie hygienisch sind. Vergleichsdaten legen nahe, dass sie zumindest einen Teil der Tröpfchen zurückhalten damit einen gewissen Schutz bieten.

Wenn Masken nicht gegen Aerosole helfen, was dann?

Wie erwähnt, schützen Masken kaum vor Aerosolen, also den feinsten Tröpfchen der Atemluft. Grundsätzlich ist dieser Übertragungsweg aber auch weniger bedeutend als die Ansteckung über direkten und indirekten Kontakt mit Menschen sowie über Tröpfchen. Hier hilft eine gute Raumbelüftung, um Aerosole so weit zu verdünnen, dass sie praktisch nicht mehr ansteckend sind. Das heisst insbesondere bei nahen Kontakten wie beim Coiffeur oder in der Schule sollte der Raum regelmässig gelüftet werden. In Räumen mit fortwährender Luftzirkulation dürfte das Risiko ebenfalls kleiner sein.

Fazit

Hygienemasken sind nur eine Ersatzmassnahme, wenn enge Kontakte nicht vermieden werden können. Ihre Schutzwirkung wird eher überschätzt und wiegt Träger teils in falscher Sicherheit. Am wichtigsten bleiben das Meiden von Kontakten und das regelmässige Händewaschen. Wenn Masken benutzt werden, müssen sie auch richtig angewendet werden, ansonsten schützen sie nicht.

Autor:

Florian Sarkar, Fachapotheker in Offizinpharmazie 

 

Quellen:

C Raina MacIntyre et al. A cluster randomised trial of cloth masks compared with medical masks in healthcare workers J Clin Hypertens (Greenwich). 2017 Jun; 19(6): 614–619. 2017 Apr 28. doi: 10.1111/jch.13018 

 

Loeb M. et al: Surgical Masks versus N95 for Preventing Influenza Among Health Care Workers.

JAMA. 2009;302(17):1865-1871. doi:10.1001/jama.2009.1466

 

Vorsorgemassnahmen in Spitälern für Kinder und Jugendliche mit Verdacht oder mit einer bestätigten COVID-19 Infektion, Swissnoso Empfehlungspapier Version 3 

 

BfARM: 30 Minuten bei 70 Grad reichen nicht zur Masken-Desinfektion, Deutsche Apotheker Zeitung online, 30. April 2020

 

 

van der Sande et al. Professional and Home-Made Face Masks Reduce Exposure to Respiratory Infections among the General Population. PlOS One 3(7) e2618, 2008