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Rezeptfreie Schmerzmittel - die goldene Mitte zwischen Angst und Verharmlosung

Schmerzmittel sind quasi alltäglich eingesetzte Medikamente. Dabei schweben Konsumenten zwischen einer gewissen Ängstlichkeit einerseits und einer allzu grossen Sorglosigkeit andererseits. In diesem Artikel möchten wir etwas Licht ins Dunkel bringen, wie Konsumenten den Gebrauch von Schmerzmitteln realistisch einschätzen können. (Hinweis: Dieser Beitrag behandelt keine Schmerzmittel vom Opioid-Typ). 

Die Qual der Wahl

Paracetamol (z.B. Panadol, Dafalgan, Acetalgin) und die sogenannten NSAR (Nicht-steroidale Antirheumatika) bieten schon eine sehr breite Auswahl an Medikamenten. In kleinen Mengen und tiefen Dosen sind sie rezeptfrei in Apotheken und Drogerien erhältlich, hohe Dosen und grosse Packungen sowie einige spezielle Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig. 

 

In aller Regel wirken diese Medikamente im gesamten Körper. Die Vorstellung, dass sie für die Schmerzen eines ganz bestimmten Körperteil gemacht sind, ist falsch. Richtig ist hingegen, dass sie je nach Verteilungsverhalten des Wirkstoffs unterschiedliche Eigenschaften haben. Einige Empfehlungen haben sich schlicht aus Tradition ergeben, ohne dass sie genauer untersucht worden wären. 

 

Konsumenten müssen sich unbedingt bewusst sein, dass hinter verschiedenen Marken der gleiche Wirkstoff stecken kann. Andernfalls kann es zu ungewollten Überdosierungen kommen kann. 

Liste der rezeptfrei erhältlichen NSAR

  • Acetylsalicylsäure (Aspirin, Alcycyl, Aspegic und weitere)
  • Ibuprofen (Dolo-Spedifen, Algifor, Saridon, und viele weitere)
  • Diclofenac (Voltaren in Tabletten und Crems, Inflamac und weitere)
  • Naproxen (Aleve)

Rezeptfrei ist nicht  gleich harmlos

Um die Grenzen der Sicherheit abzustecken, ist zu sagen, dass auch bei rezeptfreien Medikamente Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten zu beachten sind. Zum Beispiel ist bei Acetylsalicylsäure die blutverdünnende Wirkung zu beachten. Weitere bekannte Probleme bei den NSAR sind Magenbrennen bis hin zu Geschwüren oder auch Nierenprobleme.

 

Ausserdem ist bei Kopfschmerzen zu beachten, dass der sehr häufige Gebraucht von Schmerzmitteln die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass wieder Kopfschmerzen auftreten. Daran sollte man denken, wenn man an zehn oder mehr Tagen im Monat Medikamente gegen Kopfschmerzen einnimmt, bei 15 Einnahmen pro Monat ist dieses Risiko sehr gross. Zudem ist abzuklären, warum die Kopfschmerzen häufiger werden.

 

Aus diesem Grund sollte man das Apothekenteam beim Kauf aktiv ansprechen, wenn man diesbezüglich offene Fragen hat oder andere Medikamente nimmt. Auch bei ärztlich verordneten Medikamenten weiss man in der Apotheke besser Bescheid, welche Kombinationen sicherer sind. 

Schmerzmittel ist nicht gleich gefährlich

Andererseits ist für eine zufriedenstellende Wirkung auch zu beachten, dass Schmerzmittel unter Umständen mehrmals pro Tag eingenommen werden müssen. Paracetamol wirkt zum Beispiel nur ca. 4-6 Stunden, bei einer Verstauchung benötigt man über mehrere Tage Entzündungshemmer.

 

Der optimale Nutzen eines Medikaments besteht darin, möglichst viel Nutzen für möglichst wenig Risiko zu kriegen. Auch diesbezüglich kann das Apothekenteam zuverlässige Leitlinien vorgeben. 

Eine kleine Anleitung für die unbegleitete Selbstmedikation

Wenn man Schmerzmittel ohne Beizug einer Fachperson einnimmt, zum Beispiel aus der Hausapotheke wegen akuter Beschwerden, sollte man sich folgende Fragen stellen:

  • Kenne ich die Ursache für die Schmerzen?
  • Bin ich mit diesem Schmerz vertraut? (Oder umgekehrt: Verspüre ich das zum ersten Mal so?)
  • Habe ich abgeklärt, dass das Medikament in der aktuellen Situation (z.B. andere einzunehmende Medikamente) ungefährlich ist?
  • Ist die Wirkung so, wie es mit den zulässigen Dosierungen zu erwarten ist?

Beantwortet man die Fragen mit ja, kann man davon ausgehen, dass die Anwendung unproblematisch ist. Wenn nicht bzw. wenn der Schmerz neu ist, sollte man sich vielleicht in der Apotheke informieren. Grundsätzlich sind rezeptfreie Schmerzmittelpackungen so konzipiert, dass sie in der Maximaldosierung nur für drei oder vier Tage reichen. Benötigt man innert kurzer Zeit wieder Nachschub, ist es klüger, das Problem in der Apotheke direkt anzusprechen, statt nur eine neue Packung zu verlangen. 

 

Bei Problemen, die immer wieder auftreten, ist es ausserdem ratsam, ein Tagebuch zu führen, wie häufig man Schmerzmittel einnimmt. Das kann später sehr wertvolle Hinweise geben, wenn man medizinische Abklärungen vornehmen muss. Ausserdem tendieren Patienten in stressigen Lebensphasen dazu, den Schmerzmittelgebrauch zu unterschätzen. 

Die Apotheke ist nicht nur zum Kaufen da

Es gibt Situationen, in denen Schmerzmittel wiederholt eingenommen werden, zum Beispiel bei Kopf- oder Rückenschmerzen. Solche Situationen können kritisch werden, wenn man sich nur auf die Einnahme von Schmerzmitteln verlässt. Auch hier ist es am sinnvollsten, mit dem Apothekenteam zu sprechen. Oft gibt es Alternativen oder ergänzende Massnahmen, die den Bedarf nach Schmerzmitteln senken. Für gewisse Schmerzen bietet die Apotheke zusätzliche Abklärungen und Beratungen an. Nicht zuletzt gibt es auch Situationen, in denen die Beschwerden zwingend bei einem Arzt untersucht werden sollten.

 

Egal ob Schmerzmittel rezeptfrei oder auf Verschreibung eingenommen werden, es macht stets Sinn, zwischendurch mit einer Fachperson zu sprechen. Krankheitssituationen können sich laufend ändern zu unerwarteten Problemen führen. Bemerkt man solche Probleme hingegen frühzeitig, lässt sich viel leichter und schneller Abhilfe schaffen.  

Fazit

Rezeptfreie Schmerzmittel sind praktisch zur Selbstmedikation alltäglich auftretender Schmerzen. Konsumentinnen und Konsumenten sollten dabei ein Gespür für den eigenen Körper und für Veränderungen beim Schmerz oder der Wirkung der Schmerzmittel haben. Auf diese Art und Weise kann man kritische oder gefährliche Ereignisse vermeiden. Das Apothekenteam steht gerne für Fragen bereit und kann in Form von Abklärungen und Beratungen weiterhelfen. 

Autor:

Florian Sarkar, eidg. dipl. Apotheker

 

Quellen:

www.compendium.ch

 

Deutsche Apotheker Zeitung